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24.04.15: Alexander Diem

Diem, Teller, Titz


Nach der international gefeierten „Villa am See“ stellt Alexander Diem seinen Umbau des Wiener Traditionsherrenausstatters TELLER vor.

Leichtigkeit und Verve sind die Triebfedern für die Neuinterpretation des historischen Geschäftslokals von Oswald Haerdtl. Das Spektakuläre erschließt sich, wie sooft, im Detail. Ausgangspunkt des Entwurfs war eine Holztüre im hinteren Teil des Geschäfts.1955 wurde der Wiener Architekt und Designer Oswald Haerdtl mit dem Entwurf des Interiors eines Herrenaustatters beauftragt. Entstanden ist ein 50er Jahre Juwel in Wien Landstraße.

Die einzigartige Atmosphäre war Ausgangspunkt für die Sanierung, bei der Architekt Alexander Diem zeitgenössisches Design bemühte, um die Nutzerfreundlichkeit zu erhöhen und das historische Gestaltungs-Erbe neu in Szene zu setzen. 

Das Modegeschäft Teller im 3. Wiener Gemeindebezirk ist ein architektonisches Kleinod. Teile des charakteristischen Interior Designs sind bis heute erhalten. Der Wiener Designer und Architekt Oswald Haerdtl zeichnete – wie schon für die Innenausstattung des Café Prückels, ein Werkbund Haus, das Wien Museum u.a. heutige Baudenkmäler – verantwortlich. Keine Frage also, dass bei der Neuadaption dem Bestand besonders Augenmerk zukommen zu lassen war. So wie das Interieur einst modern und weltgewandt wirkte, reicherte Architekt Alexander Diem die historische Vorlage mit Transparenz und Modernität für heutige Bedürfnisse an.

 

Freie Sicht & Fortschreibung von Geschichte

Die Materialität des Entwurfs orientiert sich stark am Bestand und schreibt die Geschichte fort. Die ursprüngliche Idee eines freien Sichtfelds zwischen Außen und Innen wurde Rechnung getragen. Glaslamellen erfüllen trotz ihrer scheinbaren Immaterialität den Zweck eines Raumtrenners, der nicht nur den Schaufensterbereich vom Verkaufsraum abtrennt, sondern auch selber als Produktdisplay genutzt werden kann. Das diffuse Schimmern der Glaslamellen flirtet mit den Blicken der Passanten. Holzpaneele entwickeln sich aus dem Bestand heraus und erhalten durch ihre charakteristischen Schwünge eine zeitgenössische Akzentuierung.
Sein charmanter Charakter blieb dem Traditionsgeschäft in der Landstraße Hauptstraße erhalten, zugleich widerfuhr im eine zeitgemäße Adaption.

Die Tür am Ende der Wand

Betritt man das Geschäft, so braucht es den sprichwörtlichen Blick, um die Holztüre am Ende des Verkaufsraums zu entdecken. Dominant sticht zuerst der verspielt-schöne Terrazzoboden ins Auge, markant schraubt sich die 50iger Jahre Treppe in den ersten Stock, auffallend adressiert Alexander Diems Präsentationsarchitektur den Blick des Besuchers. All das gilt es auszublenden, um zum Schlüssel des Entwurfs vorzudringen: eine Holztüre mit Kupferbeschlägen amalgamiert alle Schwünge, Fluchtlinien und Oberflächen, die sich im Geschäftslokal wiederfinden. Sie zog Alexander Diem als Ausgangspunkt heran, um die immanenten Formen, Oberflächen und Konturen an unterschiedlichen Stellen des Lokals expliziert zu machen. Wie bei der „VILLA AM SEE“ mit traditionellen Holzmustern des Salzkammerguts, knüpft der Architekt auch hier an historisches Erbe an und lässt es in seinem Entwurf gegenwärtig erlebbar werden.

Zu ebener Erde und erster Stock

Alexander Diems Entwurf des Herrenmodengeschäfts schält die Wiener Designgeschichte aus dem historischen Entwurf und lässt sie gegenwärtig werden. Eine Treppe führt in die Galerie im ersten Stock des Geschäftslokals. Geht man diese hinab, so lässt sich der freie Blick hinaus auf das Treiben der Straße richten. Beim Bezahlen erinnern noch einmal Portrait-Fotografien berühmter Wien-Figuren an die Geschichte des Geschäfts und der Stadt. In diesem Sinne ist Teller Herrenmode in der Wiener Landstraße eine Zeitkapsel. Keine verstaubte jedoch, sondern eine auf der Höhe der Zeit, die verdeutlicht, dass gutes Design zwar stets einen historischen Kontext aufweist, gleichermaßen jedoch offen steht für architektonische Aktualisierung.


Architekt Alexander Diem

Alexander Diem studierte Architektur an der Universität für angewandte Kunst in der Klasse Hans Hollein. Danach arbeitete Diem im Büro des Wiener Architekten Gregor Eichinger sowie für Caramel Architekten. Seit 2011 leitet Alexander Diem sein eigenes Architekturbüro. Der Schwerpunkt des Büros liegt beim Thema Baukultur.

Weg von einer absoluten Subjektivität möchte Diem hin zum Finden und Ausmachen gemeinsamer Bedürfnisse, Schwerpunkte und Themen. Zentrale Bedeutung nimmt das Thema Privatheit ein. Wie viel Benutzer von sich selbst preisgeben sollen und möchten ist dabei etwa eine der Leitfragen. Der gebauten Umgebung möchte das Büro Diem stets mit einem freundschaftlichen Hallo begegnen, es jedoch zur Diskussion auffordern. Als Gebäude, die für Jahre stehen definiert Alexander Diem den baukulturellen, zeitgenössischen Wert seiner Bauten.

www.alexdiem.com

 

Presstext (english)

Pressetext (deutsch PDF Download)

Bildmaterial/Images




 

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Alexander Diem (c) Udo Titz

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Geschäftslokal des Wiener Herrenausstatters TELLER 01 (c) Udo Titz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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